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Leitfaden

ETF beurteilen und vergleichen

Sechs Angaben, an denen du einen ETF selbst einschätzt, und die Stellen, an denen sie stehen. Ohne Produktempfehlung.

Du hast einen ETF gefunden und willst wissen, ob er zu dir passt. Dafür musst du nicht jede Kennzahl verstehen. Sechs Angaben reichen, und alle stehen in den Unterlagen, die der Anbieter ohnehin veröffentlicht.

Wir sagen dir nicht, welchen ETF du kaufen sollst. Das Bildungsinstitut AFfE ist dem Wertneutralitätsgebot verpflichtet, wir verkaufen nichts und nennen keine Produkte. Du bekommst die Kriterien und entscheidest selbst.

Ein Referent eröffnet den Workshop vor einer lila Folie zur Frage, wie man unter Unsicherheit entscheidet.
Aus dem ersten ETF-Workshop: Wie entscheide ich unter Unsicherheit?
Schritt für Schritt

Die sechs Kriterien

Jedes Kriterium beantwortet eine Frage, die du dir vor dem Kauf stellen kannst. Dazu steht, wo du die Antwort findest.

Die Folie „Persönlicher Entscheidungsrahmen“ mit den vier Feldern an der Wand.
Der persönliche Entscheidungsrahmen aus dem ersten Workshop
  1. 1

    Kriterium 1

    Der Index

    Ein ETF bildet einen Index nach, also ein festes Regelwerk, das bestimmt, welche Wertpapiere enthalten sind. Entscheidend ist, was in diesem Regelwerk steckt: welche Länder, welche Branchen, wie viele Unternehmen. Zwei ETFs mit demselben Namen im Titel können sehr Verschiedenes enthalten.

    Wo du es findest: Basisinformationsblatt, Factsheet, Seite des Indexanbieters

  2. 2

    Kriterium 2

    Die laufenden Kosten

    Die Gesamtkostenquote, oft TER genannt, wird jedes Jahr in Prozent vom angelegten Betrag abgezogen, direkt im Fonds. Eine Rechnung bekommst du dafür nicht. Dazu kommen Kosten beim Kauf und Verkauf, die der Broker verlangt, und manchmal eine Depotgebühr. Wie stark das über Jahrzehnte wirkt, siehst du im Zinseszinsrechner.

    Wo du es findest: Basisinformationsblatt (Abschnitt Kosten), Factsheet, Preisverzeichnis des Brokers

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    Kriterium 3

    Der Aufbau

    Physisch replizierende ETFs kaufen die Wertpapiere des Index, ganz oder in einer Auswahl. Synthetische ETFs bilden den Index über ein Tauschgeschäft mit einem Vertragspartner nach. Beides ist erlaubt, es trägt aber unterschiedliche Risiken. Schau auch auf das Fondsvolumen: Sehr kleine Fonds werden vom Anbieter eher geschlossen. Du bekommst dein Geld dann zurück, aber zu einem Zeitpunkt, den du nicht gewählt hast.

    Wo du es findest: Factsheet, Seite des Anbieters

  4. 4

    Kriterium 4

    Thesaurierend oder ausschüttend

    Thesaurierende ETFs legen Erträge im Fonds wieder an, ausschüttende zahlen sie dir aus. Das ändert, wann du etwas auf dem Konto siehst, und es wirkt sich auf die Steuer aus. Für die steuerliche Seite im Einzelfall ist ein Steuerberater zuständig, nicht wir.

    Wo du es findest: Factsheet, Seite des Anbieters

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    Kriterium 5

    Das Risiko

    Das Basisinformationsblatt ordnet jedes Produkt auf einer Skala von 1 (niedrigstes Risiko) bis 7 (höchstes Risiko) ein und zeigt vier Szenarien für die empfohlene Haltedauer. Auch ein breit gestreuter ETF kann im Wert fallen, und ein ETF in Fremdwährung trägt zusätzlich ein Währungsrisiko. Wie du mit Schwankungen umgehst, ist eine eigene Frage, mit der sich die AFfE-Methode beschäftigt.

    Wo du es findest: Basisinformationsblatt (Risikoindikator und Szenarien)

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    Kriterium 6

    Die Tracking Difference

    Sie zeigt, wie weit die Rendite des ETFs von der Rendite des Index abweicht, nach Kosten. Ein ETF, der seinen Index über Jahre mit kleiner Abweichung nachbildet, macht, was er verspricht. Die Zahl kommt aus der Vergangenheit und sagt nichts über die künftige Rendite.

    Wo du es findest: Factsheet, unabhängige ETF-Datenbanken

Die wichtigste Unterlage

Das Basisinformationsblatt lesen

Seit dem 1. Januar 2023 ersetzt das Basisinformationsblatt bei Fonds die früheren wesentlichen Anlegerinformationen. Jeder ETF, der an Privatanleger verkauft wird, hat eines, es umfasst nur wenige Seiten, und die Anbieter müssen es nach einem festen Muster aufbauen. Genau das macht es zum besten Ausgangspunkt: Du findest bei jedem ETF dieselben Abschnitte an derselben Stelle.

Lies es in dieser Reihenfolge

  1. 1

    Produktart

    Hier steht, um was für ein Produkt es sich handelt und was es nachbildet.

  2. 2

    Risikoindikator

    Eine Skala von 1 bis 7 ordnet das Produkt ein.

  3. 3

    Szenarien

    Vier Verläufe für die empfohlene Haltedauer, vom Stressfall bis zum günstigen Fall.

  4. 4

    Kosten

    Was eine Anlage von 10.000 € in Euro kostet, einmalig und laufend.

  5. 5

    Haltedauer

    Wie lange der Anbieter empfiehlt, den ETF zu halten.

Das Blatt findest du auf der Seite des Anbieters, bei unabhängigen ETF-Datenbanken und vor dem Kauf meist direkt bei deinem Broker. Wie du einen Broker auswählst, üben wir im ETF-Workshop, Teil 2.

Was ein Prozentpunkt Kosten ausmacht

Ein Rechenbeispiel, keine Prognose: Du legst einmalig 10.000 € für 30 Jahre an. Wir nehmen an, der Index bringt 5 % pro Jahr, und ziehen die laufenden Kosten davon ab.

0,2 % laufende Kosten
rund 40.800 €
1,0 % laufende Kosten
rund 32.400 €

Der Unterschied beträgt rund 8.400 €, etwa ein Fünftel des Endbetrags. Er entsteht, weil jedes Jahr der Teil fehlt, der sonst mitverzinst worden wäre. Steuern, Schwankungen und Ordergebühren sind in der Rechnung nicht enthalten.

Zwei Referenten besprechen vor der Leinwand mit dem Zinseszinsrechner die Rechnung.
Zwei Referenten am Zinseszinsrechner
Zum Mitnehmen

Zwei ETFs nebeneinanderlegen

Trag für zwei ETFs ein, was du in den Unterlagen findest. Verglichen werden ETFs sinnvoll nur, wenn sie ähnliche Dinge tun. Gleicher Index heißt: Kosten und Tracking Difference entscheiden. Verschiedene Indizes heißt: Du vergleichst zwei verschiedene Anlagen, und der Index zählt am meisten.

Vergleichsbogen als PDF herunterladen

Eine Seite im A4-Format, am Rechner ausfüllbar oder zum Ausdrucken. Ohne Anmeldung.

KriteriumETF AETF B
Index (Name, Länder, Anzahl Werte)
Laufende Kosten pro Jahr in %
Aufbau (physisch oder synthetisch)
Fondsvolumen in Millionen Euro
Thesaurierend oder ausschüttend
Risikoindikator (1 bis 7)
Tracking Difference (Zeitraum angeben)
Kurz beantwortet

Häufige Fragen zum Beurteilen von ETFs

Wie erkenne ich einen guten ETF?
Den einen guten ETF gibt es nicht, weil gut von deinem Ziel, deinem Zeitraum und deiner Risikobereitschaft abhängt. Du erkennst einen passenden ETF daran, dass du erklären kannst, welchen Index er abbildet, was er kostet, wie er aufgebaut ist und welches Risiko du damit eingehst, und dass die Antworten zu dem passen, was du vorhast.
Welche ETFs sind die besten?
Dazu sagen wir nichts, weil wir als Bildungsinstitut keine Produkte empfehlen. Ranglisten wechseln außerdem mit dem Stichtag und dem Zeitraum und sagen wenig darüber, ob ein ETF zu dir passt. Wer die sechs Kriterien auf dieser Seite anwenden kann, kann jede Rangliste selbst prüfen. Wie das in der Praxis geht, zeigen wir im ETF-Workshop.
Was bedeutet TER bei einem ETF?
TER steht für Total Expense Ratio, auf Deutsch Gesamtkostenquote. Sie nennt die laufenden Kosten des Fonds pro Jahr in Prozent des angelegten Betrags. Sie ist nicht alles: Dazu kommen Transaktionskosten im Fonds, die im Basisinformationsblatt stehen, sowie die Gebühren deines Brokers.
Wo finde ich das Basisinformationsblatt eines ETFs?
Auf der Internetseite des Anbieters, bei unabhängigen ETF-Datenbanken und vor dem Kauf meist direkt beim Broker. Gib dafür den Namen oder die ISIN des ETFs ein. Die ISIN ist die zwölfstellige Kennnummer, die jedes Wertpapier hat.
Reicht es, den ETF mit den niedrigsten Kosten zu nehmen?
Nur, wenn die ETFs denselben Index abbilden. Dann ist der Kostenunterschied ein faires Vergleichsmerkmal, dazu kommt die Tracking Difference. Bilden sie verschiedene Indizes ab, vergleichst du zwei unterschiedliche Anlagen, und der niedrigste Preis sagt wenig.
Welche Fehler sollte man bei ETFs vermeiden?
Typische Fehler sind: einen ETF allein nach der Rendite der letzten Jahre auszuwählen, nur die Kosten des ETFs zu prüfen und die des Brokers zu übersehen, Kennzahlen zu übernehmen, die man nicht erklären kann, und nach einem Kursrückgang zu verkaufen. Wer im Tief verkauft, macht den Verlust fest. Warum uns das so oft passiert, behandelt die AFfE-Methode.
Kann ich mit einem ETF Geld verlieren?
Ja. Ein ETF bildet einen Index nach, und wenn der Index fällt, fällt der ETF mit. Breite Streuung senkt das Risiko einzelner Unternehmen, schützt aber nicht vor Kursverlusten am ganzen Markt. Deshalb nennt das Basisinformationsblatt eine empfohlene Haltedauer und zeigt auch ein Stressszenario.
Ein Referent erklärt vor der Folie „Unser Gehirn liebt Abkürzungen“ mit vier Aussagen, die jeder kennt.
Aus dem ersten ETF-Workshop am 10. Oktober 2026

Das Ganze in der Praxis

Im ETF-Workshop, Teil 2 legen wir diese Kriterien an konkreten Beispielen nebeneinander, wählen gemeinsam einen Broker aus und suchen die Zahlen zusammen. Es gibt 30 Plätze, Teil 1 musst du nicht besucht haben.

Alle Inhalte sind allgemeine Finanzbildung und keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die Angaben sind der Stand von Oktober 2026 und können sich ändern.